Hundstage.

Ich würde mal sagen 75%. Zu 75% ist unser Debüt ‚Vater' tatsächlich so geworden, wie wir uns das vorgestellt hatten. Bei ‚Schlafende Hunde' hat sich dieser Wert auf sagenhafte 90% erhöht. Das Plus von 15% ist uns leider nicht in den Schoß gefallen, das haben wir uns hart erarbeiten müssen. Es heißt ja immer, Männer könnten nicht verstehen, was während einer Schwangerschaft in den Frauen vorgeht, da sie keine Kinder bekommen können. Bullshit!!! Dafür müssen sie CD's machen! Und die erblicken nicht automatisch nach 9 Monaten das Licht der Welt, sondern rumoren (zumindest bei JANUS) regelmäßig zwei Jahre lang in den Eingeweiden herum, bevor sie sich raustrauen.

 
   


Textentwurf: kommt herunter.
 
   

 

Der Alptraum begann im September 1998 im Besprechungszimmer unserer alten Plattenfirma NOVATEKK. "Die Leute wollen keine mickrige MCD, die wollen ein zweites Album!", sagte irgendjemand zu unserem Vorschlag, nach ‚Vater' gleich ‚Schlafende Hunde', das erste 4-Track JANUS-Demo von 1996, nochmal neu einzuspielen. "Hmm...", dachten wir, "das leuchtet ein." "Ich hätte da schon ein paar Ideen!", gab ich begeistert zum besten und Toby rollte mit den Augen. Vielleicht hätte er mich hier schon stoppen sollen...

Es ist nicht so, daß die Produktion der ‚Vater'-CD ein Zuckerschlecken war. Im Gegenteil. Aber wir dachten ernsthaft, daß wir von jetzt an weniger Zeit für ein weiteres Fulltime-Album benötigen würden. Es dauerte aber wieder zwei Jahre, obwohl wir noch konzentrierter und professioneller an die Sache herangingen, als bei ‚Vater'. Wie konnte es dazu kommen?

Die wichtigsten Gründe:

 
   
a)

Das Studio.
Bis Tobys permanentes Zuhause in Rödermark bei Frankfurt a.M. im Sept. 1999 fertiggestellt war, mußten wir immer wieder mit dem kompletten Studio von einem Provosorium ins nächste ziehen. Diese Notunterkünfte boten nicht gerade optimale Arbeitsbedingungen und so fiehl es schwer, sich irgendwo zuhause zu fühlen. Hinzu kamen nach der Fertigstellung des Nachtschicht-Studios vermehrt Fremdproduktionen (z.B. Sopor Aeternus, Morbus Kithara, L'ame Immortelle, Samsas Traum u.a.), für die wir die ein oder andere Pause einlegen müßten.
 
    b) Keine Keyboards! Irgendwann kam uns die fixe Idee, keine Keyboards mehr einzusetzen. Alles sollte echt sein, insbesondere sämtliche klassischen Instrumente. Unzählige Notenausdrucke, Transkriptionen und Aufnahmesessions waren die Folge...  
    c) Nochmal über Los! Das schlimmste Erlebnis war die, nach einem ¾ Jahr reifende Erkenntnis, daß wir nochmal von vorne beginnen müssen, da unsere Herangehensweise vielleicht die Leute erfreuen würde, die ‚Isaak' für unser bestes Lied halten, uns aber in keiner Weise richtig glücklich machen würde. Also formatierten wir die Festplatten und begannen nochmal von vorne, die neue Losung: garantiert hitfrei und tanzbodenuntauglich! wurde ausgegeben.  
    d) Die Abschußliste. Auch nicht gerade zur Beschleunigung der Arbeit an ‚Schlafende Hunde' trug die eiserne Regel bei, daß ein Lied, wenn es anfing einem von uns nach 50-100 mal hören auf den Sack zu gehen, auf die Abschußliste kam. Das bedeutete: erst noch ne Woche schönreden, dann ab in die Tonne...!  
    e) RIG, der unsägliche Pedant. Das geht nicht! darf es nicht geben und schlafen und essen ist was für Warmduscher... Ja, es ist leider wahr: mein an Schwachsinn grenzender Perfektionswahn hat die Studiozeit vermutlich arg verlängert und Punkt f) ist vielleicht auch nur eine Art Notwehrstrategie (aber wirklich nur vielleicht...) um diesem Mißstand Einhalt zu gebieten. Ich gelobe Besserung, vermutlich vergebens.  
    f) Toby, der Faulpelz. Hier die Top-Five von Tobys berüchtigsten Ausreden:
  1. "Hab ich schon versucht, das geht nicht!" (Tobys Geheimwaffe. In 95% der Fälle allerdings eine dreiste Lüge)
  2. "Ich muß jetzt erst was essen, laß uns mal eben zu MäcDreck rüberfahren..."
  3. "Ich bau mir grad ne Tüte, dann geht's weiter." (wer's glaubt!)
  4. "Laß uns damit noch warten, das bringt jetzt nix!"
  5. "Charly (der Studiohund) muß mal raus, ich dreh grad ne kleine Runde."
 
    g) Comic-Overkill. Nach ‚Vater' war uns klar, daß wir artworkmäßig auf keinen Fall einen Schritt zurück machen durften. Zusammen mit Oli entwickelte ich das Comic-Konzept zu ‚Schlafende Hunde'. "Kein Problem", sagte Oli noch als es losging, "Das ist einfach! Das geht ganz schnell!". Noch nie zuvor hatte er sich so geirrt...  
   



RIG´s Notizen: Nicht mal er selber kann sie lesen.
 
   


Schlafende Hunde weckt man nicht. Der Titel unserer eigenen CD hätte eigentlich Warnung genug sein sollen. Nachdem die kläffende Meute uns drei fast in den Wahnsinn getrieben hat, lassen wir sie jetzt endlich von der Kette. Vorsicht ist geboten! Ab 20.10. knurren euch diese unfreundlichen Gesellen aus den CD-Regalen an.

Zwei Jahre voller Hundstage. Toby, Oli und ich sind dabei oft an die Grenzen unserer Belastbarkeit gegangen. Trotzdem bereuen wir nichts. Mir graut schon jetzt vor dem nächsten Album...

RIG